Mit der Sanierung des historischen Gebäudes in Zürich hat das Schweizerische Landesmuseum auch gleich seine Dauer-ausstellung neu gestaltet. Die Geschichte der Schweiz wird nun modern, attraktiv, umfassend und ohne jedes Pathos erzählt.
Von Heinz Eckert
Das Mythenrad zur Geschichte der Schweiz im Landesmuseum
Das Schweizerische Landesmuseum ist als Museum für Schweizer Geschichte selber zu einem Stück Geschichte geworden. Das grosse Gebäude, eine Art von Märchenschloss hinter dem Zürcher Hauptbahnhof, wurde 1898 vom Architekten Gustav Guhl im historisierend spät-mittelalterlichen Stil gebaut. Nachdem auch schon ein Abriss des Gebäudes diskutiert worden war, zählt es nun zu den Baudenkmälern von nationaler Bedeutung und wurde umfassend renoviert.
Mit der Sanierung des historischen Gebäudes wurde auch die ursprüngliche Funktion des Landesmuseums in einem gewissen Sinne restauriert. Direktor Andreas Spillmann wollte beim neuen Konzept der Dauerausstellungen auf die ursprünglichen Aufgaben der Institution als historisches und kunstgewerbliches Museum zurückkommen. Deshalb beherbergt der nun fertig sanierte Bahnhofsflügel mit der Ruhmeshalle im Obergeschoss und der Säulenhalle im Erdgeschoss zwei neu gestaltete Dauerausstellungen zu den beiden Hauptbereichen Geschichte und Kunstgewerbe.
Bei der Dauerausstellung «Geschichte Schweiz» richtet sich der Fokus auf die Besiedlungs- und Migrationsgeschichte, die Religions- und Geistes-geschichte, die politische Geschichte und die Wirtschaftsgeschichte. Der erzählerische Bogen spannt sich dabei von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Im ersten Teil der Ausstellung mit dem Titel «Niemand war schon immer da» wird die Basis zum Verständnis gelegt: Die Migrations- und Siedlungsgeschichte erklärt die bevölkerungsgeschichtlichen und topografischen Besonderheiten und Grundlagen der Schweiz und legt dar, wie stark das Land in sämtlichen Belangen von zugewanderten Menschen – Flüchtlingen aus politischen oder religiösen Gründen – geprägt worden ist und immer noch wird.
Der zweite Teil der Ausstellung mit dem Titel «Glaube, Fleiss und Ordnung» schildert die Religions- und Geistesgeschichte der Schweiz und untersucht den Wandel der Bedeutung der Religion: von der göttlichen Allgegenwärtigkeit und der Glaubenseinheit über die Reformation bis hin zur Relativierung von Religion im Zeitalter der Aufklärung. Wertvolle Gegenstände aus der mittelalterlichen Glaubenswelt (Messkelche, Heiligenfiguren, Sakrale aus dem Kloster St.Katharinenthal), Zeugnisse der Reformation und der Gegenreformation (Skulpturen aus dem Bildersturm, Porträts von Zwingli und Calvin) sowie der katholischen Reaktion (unter vielem anderen eine Monstranz aus dem 16. Jahrhundert) münden in den Weg der Aufklärung (Mobiliar aus einem Salon) und der Bildungsreform des 19. Jahrhunderts.
Im dritten Teil der Ausstellung, die in der Ruhmeshalle unter dem Titel «Durch Konflikt zur Konkordanz» zu sehen ist, steht die politische Geschichte der modernen Schweiz im Zentrum. Er erklärt das schweizerische konkordante Regierungssystem, wie es dazu gekommen und wie der heutige Bundesstaat entstanden ist. Als Schwerpunkt steht mitten im Raum das neun Meter hohe «Mythenrad», das Heidi, Bundesbrief, Alphorn, Armbrust zusammenbringt und auf die unsterblichen und immer wieder bemühten «Mythen der Nation» hinweist. Entlang der Geschichte weist die Ausstellung aber auch auf die Frauen- und Arbeiterbewegung hin, die Rolle der Schweiz im Ersten und Zweiten Weltkrieg wird ausgeleuchtet und der Weg aus der Isolation aufgezeigt, in der sich das Land am Ende des Zweiten Weltkriegs befunden hatte.
Im vierten Teil der Ausstellung «Die Schweiz wird im Ausland reich» wird schliesslich die Schweizer Wirtschaftsgeschichte dargestellt: Luxusuhren, kostbare Textilien, die erstaunlichen Produktepaletten aus der chemischen Industrie, Meisterleistungen der Maschinenindustrie zeugen von der enormen und erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung der Schweiz. Thematisiert werden auch der Finanzplatz und der Tourismus mit den Alpen, die schon immer ein wichtiger «Exportfaktor» der Schweiz waren.
Der Rundgang durch die Schweizer Geschichte endet schliesslich mit einem «Salon de réflexion», wo Nachrichten aus allerWelt und das Objekt des Monats vor Augen führen, dass die Geschichte – und damit auch die Schweizer Geschichte – immer fortgeschrieben wird und nicht isoliert betrachtet werden kann.
Das Museum in Zürich beherbergt die grösste kulturgeschichtliche Sammlung der Schweiz. Die Dauerausstellung umfasst rund eine Million Exponate von nationaler Bedeutung aus sämtlichen Epochen.
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